| aus dem Text: Die erste Nacht verbrachte Bämmie [ein Margay-Junges - Anmerkung
AB] bei mir im Bett. Zusammengerollt lag er neben meiner Nase auf dem Kopfkissen. Er stank
so penetrant nach Vogelmist, daß es mir fast den Atem nahm. An Schlaf war kaum zu denken.
Ich hatte Bämmie drei Katzentoiletten in meinem Zimmer bereitgestellt, eine mit wenig
Wasser gefüllt, eine mit Katzenstreu und die dritte mit Zeitungspapier. Ich war gespannt,
ob und vor allem welche er benutzen würde.
Irgendwann in der Nacht, ohne daß ich es merkte, mußte
er das Bett verlassen haben und wieder zurückgekehrt sein, denn als ich aufwachte, fand
ich ihn in meiner Kniekehle geborgen, und im Wasserklo schwamm ein Häufchen Kot. (47)
Er litt an fast allen Krankheiten, die es gibt, und es
war nicht sicher, ob er nicht auch die tödlich endende Katzenseuche in sich trug. Er
hatte Katzenschnupfen, eine schwere Bindehautentzündung, außerdem war er stark
erkältet, nahe einer Lungenentzündung. Das Ergebnis der Kotuntersuchung lag einige Tage
später vor. Bämmie hatte Haken- und Spulwürmer, Kokzidien und Salmonellen der A- und
B-Gruppe, der gefährlichsten und ansteckendsten Arten. (47)
Eine Woche, nachdem Bämmie bei uns war, begann ich mich
sehr schlecht zu fühlen. Ich bekam 39,5 Fieber und typhusähnliche Erscheinungen. Unser
Hausarzt verschrieb mir das gleiche Mittel, das auch Bämmie einnehmen mußte.
Zweifelsfrei hatte ich mich mit seinen Salmonellen angesteckt. (50)
Unser Haus ist ein ideales Baumozelotgehege. Bämmie kann
auch den senkrechten Stützbalken zwei Stockwerke hochklimmen und dann auf den
horizontalen Deckenbalken weiterturnen wie auf einem riesigen Baum. Sein Skelett war nach
kurzer Zeit so stabil, daß er sofort aufstand und weiterlief, als er einmal von der
Galerie im ersten Stock hinunter auf den Klinkerboden im Erdgeschoß fiel, während mir
vor Schreck das Herz fast stehenblieb. Nur eine leichte Verkrümmung der Vorderbeine
deutet heute noch auf Bämmis einstigen Kalziummangel hin, nicht zu vergleichen mit den
armen dackelbeinigen Ozelots, denen ich später noch begegnen sollte, die oft nicht
imstande waren, richtig zu laufen, geschweige denn zu klettern. Trotzdem hätte bei
rechtzeitiger richtiger Behandlung auch das vermieden werden können.
Als der letzte negative Befund von Bämmis Kotprobe
eintraft, konnte ich langsam daran denken, ihn Once [Fahrenholz' erste Wildkatze,
ein Oncilla - Anmerkung AB] vorzustellen.
Ich begann ganz behutsam, indem ich Kot und Urinproben
des kleinen Margay zur gefälligen Begutachtung in Onces Zimmer schaffte. Der Oncilla
beroch alles gründlich und flehmte ausgiebig. Er fing nun plötzlich an, sein Zimmer
nicht nur mit Urin zu markieren, sondern er setzte auch überall kleine Kothäufchen ab.
(52)
Über eine Margay-Kätzin, die Fahrenholz
vorübergehend gepflegt hatte, schreibt sie:
Sari hat ihren Besitzern noch viel Kummer bereitet.
Einmal hat sie einen Handwerker so gebissen, daß er sich vierzehn Tage krankschreiben
lassen mußte. 3.000 DM Schmerzensgeld und Arbeitsausfall mußten bezahlt werden, nur weil
Sari einen Moment lang unbeaufsichtigt war. Nach der Scheidung des Ehepaares lebte Sari
mit ihrer Herrin allein, und als diese so krank wurde, daß sie sich für ein paar Wochen
in Kur begeben mußte, wurde Sari eingeschläfert. (62)
Nicht zu unterschätzen: das Urinieren:
Die meisten Wildkatzen spritzen bei heißem, schwülem
Wetter besonders stark, besonders wenn sie kein Außengehege zur Verfügung haben. Oder es
kann sein, daß sie im Spiel plötzlich innehalten und buchstäblich vor lauter
Begeisterung mitten im Zimmer in die Luft spritzen. Manche spritzen ostentativ, wenn sie
gemaßregelt wurden oder wenn sie sich geärgert haben oder gedemütigt fühlen. Andere
spritzen, während sie sehnsüchtig am Fenster pendeln, bei jeder Kehrtwendung an die
Scheibe. Eine beliebte Art, Besitzansprüche anzumelden, ist, den gewählten Gegenstand,
den vertrauten Menschen nicht ausgenommen, gründlich mit Urin abzuduschen. Besonders
unwiderstehlich sind Dinge, die ausnahmsweise einmal nicht am gewohnten Ort stehen. Man
wird so zwangsläufig zur Ordnung erzogen. (65/6)
Eines Abends, als Bernd [Fahrenholz' Ehemann - Anmerkung
AB] sein frischbezogenes Bett aufschlug, um sich wohlig-müde hineinfallen zu lassen,
landete er in etwas, das weiß Gott nicht hierhergehörte. Bämmie hatte klammheimlich
unter der Bettdecke sein Geschäft verrichtet. Wortlos vor Wut verließ Bernd fluchtartig
sein Zimmer. (...) Am nächsten Morgen war viel die Rede davon, daß Bämmie eigentlch
ausgestopft gehöre, daß eine Glaswand, ein Netz oder das nächstbeste Brett die offene
Seite des Zimmers verschließen müsse und daß der Mensch wenigstens einen hygienischen
Raum zum Leben brauche. (66/7)
Gründe für das Scheitern privater
Wildkatzenhaltung:
Viele Privatleute scheitern an der Haltung einer wilden
Katze ... nicht nur, weil sie beißt und kratzt oder spritzt, sondern weil deren
unermüdliche Energie, ihr Forschungs- und Bewegungsdrang und ihre Neugierde ihren
Besitzer zur Verzweiflung treiben können. (33/34)
aus Vorwort von Paul Leyhausen:
Schließlich könnte mancher fragen, ob sich denn ein
solcher Einsatz für eine kleine Gruppe gottverlassener Wildtiere in Gefangenschaft lohne,
ja, ob er zu verantworten sei, wo es doch so viel drängendere, unmittelbar menschliche
Probleme zu lösen gelte. Immer findet sich jemand, der meint, die Tierschützer sollten
doch lieber um mißhandelte Kinder kümmern, die Naturschützer, statt wegen dieser oder
jener aussterbenden Art zu jammern, den Hunger in der Welt zu bekämpfen helfen, die
Umweltschützer besser an die ungerechte Verteilung der Güter in dieser Welt denken, und
so weiter. Das klingt aufs erste recht und billig, doch das Gewebe des Lebens ist eine
Einheit, die nur als ganze gepflegt und erhalten werden kann. Die einseitige Mißachtung
oder Zerstörung auf der einen, die einseitige Förderung auf der andren Seite kann zum
Schluß nur alles zugrunde richten. (S. 10) |